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Fruehlings-Blumen Fruehling in Baden-Baden
 
Der Frühling
 
Zu allen Zeiten von allen Lebewesen sehnlich erwartet,  bringt er die Rückkehr des Lebens für die Natur und jede Kreatur in ihr: Der Frühling.
Von den Dichtern als Lenz gepriesen,  gilt ihm die Sehnsucht aller Lebewesen seit Menschengedenken.
 
In den allegorischen Darstellungen in der bildenden Kunst gilt er als ein Synonym für Jugend.  Die wohl berühmteste ist Botticellis Meisterwerk
„La Primavera“,  entstanden 1478,  anläßlich der Hochzeit von Lorenzo di Medici.
Zephyr,  der Gott des Westwindes heiratet die Nymphe Chloris,  derem Mund Rosen entspringen.  Sie verwandelt sich in die Frühlingsgöttin Flora.  In ihrem weißen Kleid wird ein Symbol für das Ende des Winters gesehen.
Flora wird umgeben von Myrthen,  Kornblumen,  Rosen,  Nelken,  wilden Erdbeeren,  Hahnenfuß und rotem Mohn.
 
Das Ritual einer heidnischen Frühlingsfeier wurde, im Jahr 1913 von Igor Strawinsky komponiert für die „Ballets Russes“,  einer Gründung der Tanzlegende Serge Diaghilew. Die Uraufführung geriet zu einem Skandal. Die animalische  Wucht der musikalischen Sprache überforderte das zeitgenössische Publikum
 
Antonio Vivaldis Oratorium „Die Vier Jahreszeiten geben dem Frühling Gestalt in dem  wunderbaren Violinkonzert des ersten Satzes.
 
Frühlingslieder,  Frühlingsgedichte,  sie erheben sich als flatternde Boten in die Maienlüfte, lassen sich nieder auf segelnden Wolken,  schweben zurück in Feld und  Hain,  an Waldränder und Bachläufe, ein nicht endend wollender Reigen.
Schon im März erklingt Mörikes schönstes Frühlingsgedicht:
 
Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte.
Süße,  unbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch,  von fern ein leiser Harfenton
 
Und wer liebt sie nicht,  Heines kleine „Frühlingsbotschaft“?
 
Leise zieht durch mein Gemüt
liebliches Geläute.
Klinge,  kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite
 
Kling hinaus bis an das Haus,
wo die Veilchen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
sag ,  ich laß sie grüßen.
 
Längst vor den Rosen sind die Tulpen da- schöne, alte und sehr kostbare Zierpflanzen,  die ursprünglich aus Asien nach Anatolien gelangten.
 
1635 dichtete Paul Gerhardt,  der Autor vieler Kirchenlieder:
Narzissen und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.
 
Und wirklich war die Blume an Kostbarkeit nicht zu übertreffen.  Seit dem Mittelalter ein unerhörtes Luxusgut,  wurde sie an der Börse zu unerschwinglichen Preisen gehandelt,  und mancher holländische Kaufmann ruinierte sich für den Preis einer einzigen Tulpenzwiebel.
Der Gesandte des österreichischen Regenten Ferdinand I. brachte die farbenprächtige Blume aus Konstantinopel mit nach  Wien,  wo sie in den kaiserlichen Gärten kultiviert wurde. Als der kaiserliche Hofgärtner  als Professor an die Universität Leyden in den Niederlanden ging,  nahm er sie mit. Und hier begann recht eigentlich erst ihr Siegeszug.
Tulpen,  die aus Samen gezogen wurden, brauchten bis zu sechs Jahren ,  um das erste Mal zu blühen.
Die „Tulpomanie“ währte von 1632 bis 1640.
1632 wurde an der Börse für ein einziges Exemplar der Sorte Viceroy  der folgende Rekord erzielt:
2 Lasten Weizen,  4 Lasten Roggen,  4 fette Ochsen,  8 fette Schweine,  12 fette Schafe, 20 Hoft Wein,  4 Tonnen Bier,  2 Tonnen Butter,  1000Pfund Käse,  1 Bett mit Zubehör, 1 Paket Kleider und 1 silberner Becher.
Für die teuerste Zwiebel,  eine Semper Augustus,  wurden 13 000 Gulden bezahlt. Heute würde man von einem Hype sprechen.
Aber schon im Frühjahr 1638 brach der Tulpenirrsinn in sich zusammen. Eine riesige Spekulationsblase löste sich ins Nichts auf.
 
Bereits Februar,  Anfang März beginnt die Zeit der Veilchen. Das Duftveilchen eröffnet den Reigen. Ihm folgen  das Parmaveilchen, ,  das Waldveilchen,  das Hainveilchen,  das Pfingstveilchen.  Auch Hornveilchen und Stiefmütterchen gehören in die große Familie.
Welchem von ihnen gelten wohl Goethes uns allen bekannte Zeilen:
 
                                           Gefunden
                       Ich ging im Walde so vor mich hin,
                       nichts zu suchen,  das war mein Sinn,
                       Im Schatten sah ich ein Blümchen stehn,          
                       wie Sterne leuchtend die Äuglein schön. . . .
 
In  der Bretagne werden am Karfreitag Veilchen ausgesät – die Blumen der  Göttin Persephone.
Der allererste Platz im Vorfrühling –noch im Schnee- gebührt,  wie sein Name sagt,  allerdings dem Schneeglöckchen, von den Kindern besungen als „Schneeglöckchen , Weißröckchen.
Seine größere Variante ist der Märzenbecher,  der jedoch hat nicht den anrührenden und  hilflosen Charme seiner kleinen Verwandten,  die im Französischen den hübschen Namen„perce-neige“ (durchdringe den Schnee)  trägt.
 
Die Pracht unserer Gärten im Frühjahr und Frühsommer wurde botanisch erst möglich mit der Einfuhr der bunten und großblumigen Zwiebelgewächse – und das wiederum konnte erst geschehen nach dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1553.
In den Gärten von Istanbul waren die schönsten Blumen und Blüten heimisch geworden:
Kaiserkrone,  Traubenhyazinthe,  Ranunkel,  Narzissen,  Stockrosen,  Roseneibisch,  Gartennelke und viele mehr.
Die Gärten der Romantik kannten längst alle diese Frühlingsblumen.  Ihnen ist der Garten ein Sehnsuchtsort,  ein wunderschöner Rahmen der Liebessehnsucht, wie hier bei Eichendorff:
                             
                                 Über´n Garten durch die Lüfte
                                 hört´ich Wandervögel ziehn,
                                 was bedeutet Frühlingsdüfte,
                                 unten fängt´s schon an zu blüh´n.
 
                                 Jauchzen möchte ich,  möchte weinen,
                                 ist mir´s doch,  als könnt´s nicht sein!
                                 Alte Wunder wieder scheinen
                                 mit dem Morgenglanz herein.
 
                                 Und der Mond,  die Sterne sagens´s
                                 und in Träumen rauscht´s der Hain
                                 und die Nachtigallen schlagen´s:
                                 Sie ist Deine,  sie ist Dein.
 
Wonne, Liebe, Blumenmond. Das alles sind Bezeichnungen für den Mai. Karl der Große führte im 8. Jahrhundert die Bezeichnung Wunnimanoth (ahd. ), Wonnemond ein.
Der Mai ist auch die Zeit der Maialtäre. Aus Italien kommend verbreitete sich diese Form der Andacht und Marienverehrung im 19. Jahrhundert rasch in ganz Europa. Der „mensis Mariae“,  der Marienmonat galt als der Auftakt des Sommers.  In der Walpurgisnacht wurden Hexen und Dämonen vertrieben.
Schon im griech. –röm.  Altertum versah man Häuser und Ställe mit Birkenzweigen zum Schutz gegen böse Geister.
Der Maibaum,  meist eine Tanne,  die bis auf den Gipfel entastet wird,  ist geziert mit bunten Bändern und Zunftzeichen. Frische Birkenäste,  die mit bunten Bändern geschmückt sind, stellten verliebte Burschen ihren Mädchen in der Nacht auf den 1. Mai vors Fenster. Schlimmer als gar keinen „Maien“ zu erhalten,  war das Aufstecken eines sogenannten „Schandmaien“, eines dürren Steckens für ein unbeliebtes Mädchen, gewissermaßen eine folkloristische Variante des „Mobbing“.
 
Es ist die Zeit der Frühlingsfeste. In der Eisenacher Gegend tragen sie den anschaulichen Namen “Sommergewinn“.
Der finnische Volksmund kommentiert die Rückkehr des Lebens in der Natur mit  dem folgenden Sprichwort:
 
"Auch der alte Pfahl hofft bei Frühlings Wiederkehr,  dass er grünen werde. „
 
Schöner liest sich die gleiche Hoffnung bei Fontane:
 
O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh;
es wagt´s der alte Apfelbaum,
Herz,  wag´s auch du.
 
Vor dem Ende der Eisheiligen wird gewöhnlich im Garten nicht gepflanzt und kein Vieh auf die Weide getrieben. Es sind die Tage vom 12. bis 14.  Mai
nach den Heiligen Pankratius,  Servatius Bonifatius benannt. An diesen Tagen ist erfahrungsgemäß ein verspäteter polarer Kälteeinbruch zu erwarten. Den Abschluss bringt am 15. die „Kalte Sophie“.
Vorhergegangen ist als bewegliches Kirchenfest Ostern mit der Entzündung der Osterfeuer,  Feuerrädern, und  geweihtem Osterwasser.
Der Name Ostern ist abgeleitet von “Ostarum“, einem Frühlingsfest zu Ehren der germanischen Göttin Ostara. Gefeiert wird Ostern am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Natur und Hoffnung füllen sich erneut mit Leben.
 
                                                                               Sabeth Splietorp
 

 

 

 

 

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